Herbarium Saastal

Botanik-Touristen und Pflanzenvielfalt

Ausgeschnittene Glockenblume

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Ausgeschnittene Glockenblume

Campanula excisa

Die Ausgeschnittene Glockenblume ist eine für das Saastal typische Alpenpflanze. Ihre Kronblätter zeigen Einbuchtungen, die wie ausgestanzte Löcher wirken. Dienen diese Löcher als „Einstiegsluke“ für Nektar suchende Insekten oder handelt es sich nur um eine Laune der Natur? – das ist bis heute nicht geklärt. Die zarte blaue Blume kommt bei uns nur in den östlichen Walliser Alpen und in den westlichen Tessiner Bergen vor. Interessanterweise fehlt sie in Zermatt völlig.

Was ihre Wachstumsbedingungen betrifft, ist die Ausgeschnittene Glockenblume eine Pionierin. Sie siedelt gern auf Schuttflächen im Silikatgestein, dort wächst sie oft in ganzen Scharen. Ihre kleinen Samen werden mit dem Wind oder dem Wasser von Bergbächen an solche Stellen getragen. Sobald sich der Boden verfestigt und mehr Erde zur Verfügung steht, wird sie jedoch von anderen Pflanzenarten verdrängt.

Vandellis Mannsschild

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Vandellis Mannsschild

Androsace vandellii

Ihren Namen erhielt diese Gattung wegen der schildförmigen Blätter, die einige Arten aufweisen. Unter den Mannsschildarten befinden sich viele Polsterpflanzen. Vandellis Mannsschild wächst auf den Silikatfelsen des Urgesteins im Saastal. In der Schweiz kommt die Art fast nur südlich der Alpen vor, im Wallis und Nordtessin. Benannt ist die Pflanze nach dem italienischen Botaniker Domenico Vandelli (1735–1816), der mit Carl von Linné befreundet war.

Vandellis Mannsschild hat weisse, fünfzählige Blüten und weisssilbrige Blätter. Die Pflanze ist ein so genannter Chamaephyt, das heisst sie übersteht den Winter mit Knospen, die sich nahe am Boden befinden. So werden sie durch die Schneedecke vor der Kälte geschützt. Das Almagellertal, das seit 2003 unter Naturschutz steht, ist ein Refugium für Vandellis Mannsschild, aber auch für viele weitere Alpenblumen.

Arnika

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Arnika

Arnica montana

Es gibt viele Körbchenblütler mit gelben Blütenblättern. Wie erkennt man die Arnika zweifelsfrei? Der Unterschied zu Arten wie beispielsweise der Gämswurz zeigt sich deutlich bei den grünen Blättern: Die Arnikablätter wachsen in einer grundständigen Rosette und am Stängel paarweise von einem Punkt ausgehend, während die Blätter der Gämswurzarten immer einzeln in einer Spirale am Stängel angeordnet sind.

Arnika ist seit alters als Heilpflanze bekannt. Verwendet werden die getrockneten Blütenköpfe. Früher wurde Arnika sowohl als Umschlag angewendet wie auch als Aufguss getrunken. Eine heilende Wirkung bei der äusserlichen Anwendung von Arnikatinktur zur Behandlung von Blutergüssen, Quetschungen und Verstauchungen ist gut belegt. Von Arnikatee aber wird heute dringend abgeraten, wegen der in der Pflanze enthaltenen Giftstoffe.

Himmelsherold

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Himmelsherold

Eritrichium nanum

Man muss sich tief hinunter bücken, um den blumigen Duft des Himmelsherolds einzuatmen. Die Polsterpflanze streckt ihre Blüten auf ganz kurzen Stielen gegen den Himmel. Das intensive Blau der Blüten hat auch zum deutschen Namen dieser Art geführt. Im Englischen heisst sie „King of the Alps“, im Französischen ebenso „Roi des Alpes“. Denn man muss hoch hinauf steigen, bis über 2700 m, um sie zu finden. In der Hohsaasregion und um den Egginer ist es aber auch mithilfe von Seilbahnen möglich, dem Himmelsherold zu begegnen.

Die Pflanze ist mit dem Vergissmeinnicht verwandt, doch eine Verwechslung ist nicht möglich: Der Himmelsherold hat silbrig-graue Blätter und eben diesen besonderen Duft. Dieser ist nötig, um in der dünnen Höhenluft von den Fliegen gefunden zu werden, die ihn bestäuben. Wahrscheinlich hat der Himmelsherold die letzte Eiszeit bei uns auf hohen Bergspitzen oberhalb der Gletscherströme überstanden. Deshalb kommt er in den Alpen nur in vereinzelten Regionen vor, in der Schweiz etwa im Oberwallis, Nordtessin und Engadin.

Einköpfiges Kreuzkraut

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Senecio halleri

Das Einköpfige Kreuzkraut mit seinen gelben Blüten und den graufilzigen Blättern trifft man im Saastal häufig an. Weltweit gesehen ist es aber selten, die Art kommt nur in den Westalpen vor. Senecio oder auch Greiskraut heisst es wegen seiner haarigen Früchte, die an die grauen Haare von alten Menschen erinnern sollen. Das Kreuzkraut ist aber sehr lebenskräftig und kommt bis gegen 3500 m vor. Der lateinische Beiname erinnert an den grossen Berner Arzt und Alpenforscher Albrecht von Haller (1708–1777), der im 18. Jahrhundert die Flora der Schweiz erstmals erfasst hat.

In der Schweiz findet man das Einköpfige Kreuzkraut nur im Wallis, und im Saastal liegt das Zentrum seiner geografischen Verbreitung. Einköpfig meint, dass ein Stängel immer nur eine Blume trägt. Wahrscheinlich ist diese Alpenpflanze eine Art, die während der letzten Eiszeit am eisfreien Stellen des Hochgebirges überlebt hat. Dem Vieh schmeckt die goldgelbe Alpenblume nicht, sie enthält nämlich Giftstoffe.

Spinnweb Hauswurz

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Spinnweb Hauswurz

Sempervivum arachnoideum

Der lateinische Name der Hauswurz, Sempervivum, bedeutet „Die Immerlebende“. Die Hauswurzarten sind tatsächlich wahre Überlebenskünstlerinnen, sie überstehen Hitze, Trockenheit und Kälte. Die Hauswurz wächst in Rosetten. Aus der Mitte einer solchen Rosette erhebt sich eine einzelne Blüte auf einem robusten Stängel. Diese Pflanzen erinnern an eine urzeitliche Vegetation, besonders wenn sich daneben eine Eidechse wie ein Saurier im Miniformat auf den Felsen sonnt.

Die Spinnweb- Hauswurz hat ihren Beinamen von den silberweissen Haaren erhalten, die sich wie Spinnweben über die einzelnen Rosetten ziehen. Die Hauswurz braucht nicht viel Boden, um zu gedeihen, ihr reicht eine Felsspalte, bevorzugt im Silikatgestein. Sie ist deshalb im Saastal häufig zu finden. „Hauswurz“ heisst die Gattung, weil sie auch gern auf Hausdächern wuchs. Früher hielt man die Pflanzen für Blitzableiter und hat sie sogar bewusst auf den Dächern angesiedelt.

Alpenrose

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Alpenrose

Rhododendron ferrugineum

Die Rostblättrige Alpenrose liebt saure Böden. Das verbindet sie mit ihren grösseren Verwandten, den bunten Rhododendren in den Parks und Gärten des Flachlands. Pflanzen beziehen ihre Nährstoffe aus dem Boden und haben je nach Art unterschiedliche Ansprüche. Saure Böden entstehen bei der Erosion von kristallinen Gesteinsarten. Zu diesen kristallinen Gesteinen gehören vor allem Granite und Gneise, die chemisch aus Silikaten bestehen. Im Saastal überwiegen diese Gesteine, und deshalb findet man hier auch die Rostblättrige Alpenrose. Wie der Beiname sagt, sind ihre Blätter auf der Unterseite rostbraun gefärbt. Die Pflanzen mit ihren verholzten Stämmchen können über 150 Jahre alt werden.

Nicht alle Rhododendrenarten haben es gern sauer. In den Kalkgebieten wächst die etwas hellere Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsuta). Sie mag es lieber, wenn der Untergrund basisch ist. Dies ist in Kalk- und Schiefergebirgen der Fall, weil das Karbonat im Kalkgestein die Säure im Boden neutralisiert.

 

Edelweiss

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Edelweiss

Leontopodium alpinum

Auch wer noch nie eines in der Natur gesehen hat, erkennt es sofort: Das Edelweiss ist eine Blume, die symbolisch für die ganze Alpenflora steht. Im Saastal ist die Chance relativ hoch, dem Edelweiss auf einer Bergwiese zu begegnen. Man muss nur wissen, wo. Das Edelweiss liebt Böden mit Kalk, deshalb findet man es dort, wo kalkhaltige Gesteine im Urgestein der Saaser Berge eingelagert sind. Dies ist etwa der Fall zwischen Plattjen und Egginerjoch und auf der Schwarzbergalp oberhalb des Mattmarksees. Am bequemsten findet man die Pflanze aber auf der Alpenblumen-Promenade vom Kreuzboden aus: Beim Plattubodu führt der Weg durch eine Halde voller Edelweiss.

Ursprünglich stammt das Edelweiss aus den Steppen Mittelasiens. Es ist vermutlich erst nach der letzten Eiszeit in den Alpenraum eingewandert. Das Edelweiss gehört in die Berge – im Flachland angebaut, verliert es bald seinen silbrigen Glanz. Denn sein weisser Pelz ist ein Schutz gegen Kälte und UV-Licht, wie er nur in der Höhe notwendig ist.

Keltischer Baldrian

25. Juni 2018 von Margrit Wyder | Kommentare deaktiviert für Keltischer Baldrian

Valeriana celtica

Die unauffällige Pflanze mit den feinen rötlichen Blüten gehört zu den botanischen Besonderheiten des Saastal. Denn hier ist der einzige gesicherte Fundort in der ganzen Schweiz. Einst war diese Art in den Alpen viel weiter verbreitet. Die unterirdischen Teile der Pflanze enthalten das ätherische Baldrianöl. Es wurde schon vor 2000 Jahren in der Volksmedizin verwendet. Früher wurde die Pflanze ausgegraben und für das Parfümieren von Seifen, Wein und Salben verwendet. Man hat die Wurzeln bis in den Orient exportiert. So wurde die Pflanze, die auch unter dem Namen „Echter Speik“ bekannt ist, durch den Menschen dezimiert.

Auch im Saastal findet sich der Keltische Baldrian an weniger zugänglichen Orten, so in den hinteren Regionen des Almagellertals, des Furggtals und des Ofentals. Neben dem Vorkommen in den Westalpen gibt es noch eine Unterart in den Ostalpen. In Österreich nutzen einige Bergbauern die Pflanzen immer noch in alter Weise, jedoch nun unter kontrollierten Bedingungen.

25. Juni 2018
von Margrit Wyder
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Rosenwurz

Rhodiola rosea Die Rosenwurz ist im Mattmarkgebiet verbreitet. Man findet sie nur im Süden der Alpen, vor allem im Oberwallis und im Nordtessin. Die krautig wachsende Pflanze ist zweihäusig, das heisst es gibt weibliche und männliche Pflanzen. Die männlichen Blüten … Weiterlesen